{"id":1429,"date":"2020-03-06T07:53:16","date_gmt":"2020-03-06T07:53:16","guid":{"rendered":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=1429"},"modified":"2020-03-06T07:53:19","modified_gmt":"2020-03-06T07:53:19","slug":"zu-gast-bei-den-bikern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=1429","title":{"rendered":"Zu Gast bei den Bikern"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach nur zwei Tagen in der Demokratischen Republik Kongo war ich schon an der Grenze zu Angola. Eigentlich schade. Ich h\u00e4tte gern ein paar Tage mehr im \u201ezweiten Kongo\u201c verbracht, mir Kinshasa angeschaut, vielleicht ein paar neue Leute kennengelernt. Es ergab sich aber nicht. Mein Couch-Surfing-Kontakt meldete sich zur\u00fcck als ich schon in Angola war. Die Erkl\u00e4rung war auch sehr nachvollziehbar: \u00bbSie habe ihr Handy verloren, so sei sie f\u00fcr mehrere Tage nicht erreichbar gewesen. Das Handy sei jetzt wieder aufgetaucht, schade nur, dass ich jetzt abgereist sei.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nach wieder mal extrem undurchsichtigen Verh\u00e4ltnissen an der Grenze in der DR Kongo, war ich nun zur\u00fcck in der Zivilisation! In DR Kongo musste ich durch endlose Menschenmengen, Schlamm und tiefe Wasserlachen fahren, es ging zu wie auf einem riesigen chaotischen Markt, wo jeder mit Gewalt die eigene Ware loswerden und die anderen sie dann nach dem Kauf abtransportieren wollten &#8211; mit allem was R\u00e4der hat: Eselskutschen, Dreirad-Mopeds, hoch beladene Fahrr\u00e4der, Karren aller Art. Es herrschte Hochbetrieb. Die Leute wollten ja ebenfalls die Grenze zu Angola \u00fcberqueren. So fuhr ich durch dieses Chaos und suchte nach dem Geb\u00e4ude, wo \u201eImmigration\u201c drauf stehen sollte und ich meinen Reisepass abstempeln lassen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kurz vor dem gelobten Geb\u00e4ude geschah es: ich blieb in einem tiefen Wassergraben stecken. Mein erster Reflex, um doch noch mit Schwung rauszukommen, war wohl ein gro\u00dfer Fehler: ich gab Gas. Hinter mir spritzte das Schlammwasser meterhoch! Die Leute fingen an zu schreien und heftig zu gestikulieren. Warum sie mich im Anschluss nicht gelyncht, verpr\u00fcgelt oder mindestens mit Steinen beworfen haben, ist mir bis heute ein R\u00e4tsel. Was machten sie stattdessen? Sie halfen mir aus dem Schlamm rauszukommen. Ich liebe Afrika!<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich den Ausreisestempel bekommen hatte, stellte ich fest, dass ich das Zollamt um drei Kilometer verpasst hatte. So musste ich schon wieder durch die Menschenmassen und den Dreck zur\u00fcckfahren, das Carnet abstempeln lassen und dann wieder zum dritten Mal durch. Das war ein Abenteuer, worauf man normalerweise gerne verzichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich dann endlich in Angola ankam, war ich sehr erleichtert. Ich war nun \u201ezu Gast\u201c in einem klimatisierten, exzellent ausgestattetem B\u00fcro, mit uniformierten Zollbeamten, die allesamt gutes Englisch sprachen. Was f\u00fcr ein Unterschied! Es machte mir gar nichts aus, dass mein Carnet in Angola nicht z\u00e4hlte: ich zahlte gerne die 6 Euro f\u00fcr das angolanische TIP (temporary import permit). Ein junger Beamter entschuldigte sich f\u00fcr den Umstand, h\u00e4ndigte mir das TIP aus und sagte: \u00bbWelcome to Angola, Sir! Enjoy your stay.\u00ab Das ist mir w\u00e4hrend der ganzen bisherigen Reise an keiner Grenze zuvor passiert. Ich mochte das Land auf Anhieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem zweit\u00e4gigen Ritt kam ich endlich in Luanda an. Ich habe schon viel fr\u00fcher von den angolanischen Biker-Clubs geh\u00f6rt und wollte sie auch mal pers\u00f6nlich kennenlernen. Von vielen Reisenden h\u00f6rte ich zun\u00e4chst viel von den \u201eAmigos da Picada\u201c. Die Amigos scheinen der bekannteste und gr\u00f6\u00dfte Biker-Club in Angola zu sein. So \u201ewarnten\u201c mich die anderen Biker: \u00bbFahr nach Angola und die Amigos werden dich finden\u00ab. Was nach einer \u201eDrohung\u201c klang, war nett gemeint: die Amigos seien sehr freundlich, hilfsbereit und lassen Dich nie im Stich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies machte mich sehr neugierig. Ich schrieb sie an und kontaktierte \u00fcber Facebook deren Pr\u00e4sidenten. Ich erhielt lange keine Antwort. Irgendwann bekam ich dann die Whatsappnummer des Pr\u00e4sidenten. Ich schrieb ihn erneut an und erhielt als Antwort ein kurzes Image-Video \u00fcber Angola, worauf ein paar Landschaften zu sehen waren. Ich fand das schon ziemlich entt\u00e4uschend.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit fand ich eine Information auf iOverlander, dass es in Luanda einen Biker-Club-Pr\u00e4sidenten gibt, der eine \u201eOpen-Invitation\u201c f\u00fcr alle Overland-Reisenden, insbesondere f\u00fcr Biker ausgesprochen hatte. In der App standen die GPS-Koordinaten, sowie eine Beschreibung, wo man sein Haus findet. Das fand ich gro\u00dfartig! Ich freute mich riesig darauf, die angolanischen Biker doch noch kennenlernen zu k\u00f6nnen! Ohne Vorank\u00fcndigung oder gar Anfrage fuhr ich einfach hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die US-Serie \u201eSons of Anarchy\u201c kennt, hat man eine etwas spezielle Vorstellung davon, was die Biker alles so treiben, womit sie ihre Br\u00f6tchen verdienen und dass man ihnen besser nicht in die Quere kommen sollte. Ich dachte daran und lachte innerlich dar\u00fcber als ich an dem Haus von Carlos, dem Pr\u00e4sidenten der \u201eAnjos Bantu\u201c, eintraf.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir wurde das Tor ge\u00f6ffnet, ich fuhr rein und staunte: ich war an einem sch\u00f6nen Haus mit gro\u00dfen Glasw\u00e4nden, mit einem Pool und Barbecue-Bereich, mich begr\u00fc\u00dften gleich drei ausgewachsene und sehr freundliche Doggen. Aus dem Haus kam dann gleich eine sch\u00f6ne junge Frau und fragte mich mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit: \u00bbHerzlich Willkommen! Hast Du Hunger? Wir essen gerade zu Lunch.\u00ab Es war Andrea, die Tochter von Carlos. Am Esstischstuhl hing ihre Biker-Kutte mit der Aufschrift \u201eVice-President\u201c. Ich lernte noch Andr\u00e9, den Verlobten von Andrea kennen. Ich setzte mich zu ihnen, wir a\u00dfen zusammen und ich f\u00fchlte mich gleich wie bei guten Freunden. Danach wurde mir ein eigenes Zimmer zugewiesen, ich hatte sogar ein eigenes Bad mit Dusche bekommen. Was f\u00fcr ein Luxus! So l\u00e4sst sich gut reisen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freundete mich auch mit Andr\u00e9 an. Ein sehr freundlicher und sympathischer Kerl, wir haben uns auf Anhieb bestens verstanden. Ich wollte ihn ein bisschen \u00fcber den Club ausfragen und erfuhr, dass er selbst kein Motorradfahrer ist, da er selbst einmal in der Vergangenheit ein kleines Moped fuhr und dies schief ging. Er arbeitet als Sales Director in der Firma von Carlos. Die Firma stellt diverse Werbe- und Infotaffeln her, allerlei Aufkleber und sonstiges Marketingmaterial. Der Club betreibt noch eine \u201ePirates Bar\u201c an einem Aqua-Park, wo sie S\u00e4fte und Erfrischungsgetr\u00e4nke an die Kinder verkaufen. Da das Gesch\u00e4ft aber nicht so toll l\u00e4uft, waren sie gerade dabei, es aufzul\u00f6sen. Andrea erz\u00e4hlte mir dann sp\u00e4ter, womit sich der Club besch\u00e4ftigt: neben den Sonntagsausfl\u00fcgen f\u00fcr die Mitglieder organisierten sie noch Spenden f\u00fcr Bed\u00fcrftige, halfen armen Kindern und Obdachlosen. \u00bbWow\u00ab, dachte ich grinsend. \u00bbWas f\u00fcr eine \u201egef\u00e4hrliche\u201c Biker-Gang. Man muss sie einfach lieben!\u00ab W\u00e4re ich in Angola f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit, w\u00fcrde ich mich sofort als neues Mitglied anmelden. Carlos konnte ich leider nicht pers\u00f6nlich kennenlernen. Er war au\u00dferhalb des Landes, als ich in seinem Haus war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war ich da, etwas mitgenommen nach der langen Reise und sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass ich jetzt ein eigenes Zimmer mit Bad hatte. Ich lag im Bett, frisch geduscht und checkte meine Nachrichten. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich ein Klopfen an der T\u00fcr. Da standen zwei Leute vor mir und sagten, dass sie auf Motorr\u00e4dern unterwegs und gerade angekommen seien. Sie sahen aus, als ob sie mehr als nur eine erfrischende Dusche brauchen w\u00fcrden. Sie machten eher den Eindruck, als ob sie auf der Flucht vor einer Horde wilder Hunde und zwar seit mindestens einer Woche gewesen w\u00e4ren: Hosen in Fetzen, die anderen Kleidungsst\u00fccke waren ebenfalls in desolatem Zustand. Aber sie strahlten und grinsten breit! Ich hatte gemischte Gef\u00fchle. Im ersten Moment dachte ich erschrocken: \u201eShit! Muss ich jetzt mein Zimmer mit diesen Leuten teilen?\u201c Der Gedanke war aber sofort weg. Sie sahen so krass mitgenommen, dennoch super gl\u00fccklich aus. Ich fand die beiden auf Anhieb sehr sympathisch. Sie stellten sich vor: Yasmin aus London und Dylan aus Kapstadt. Sie fuhren in London los, waren bereits neun Monate in Afrika unterwegs. Sie hatten ein Auto, haben es aber unterwegs gegen zwei Motorr\u00e4der umgetauscht! Eine exzellente Entscheidung!<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sagte Dylan: \u00bbWir m\u00f6chten gerne in die Stadt gehen, und ein Restaurant finden. Morgen hat Yasmin Geburtstag und wir w\u00fcrden gerne vorfeiern. Kommst Du mit?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ich traute meinen Ohren nicht: \u00bbWas? Du hast morgen Geburtstag? Ich n\u00e4mlich auch!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wir feierten zwei Tage lang zu dritt! Ganz unerwartet wurde es zu einem richtigen Geburtstag! Vorher dachte ich, dass ich den Tag einfach in Ruhe in meinem Zimmer verbringen, den Tag durchschlafen und vielleicht maximal in der Nase bohren w\u00fcrde. Es sollte aber nicht so sein. Andr\u00e9 und Andrea haben uns sogar eine Torte gebracht! Die eine Kerze durften Yasmin und ich gemeinsam auspusten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Luanda hatte ich keine gro\u00dfen Pl\u00e4ne. Ich wollte nur mein Motorrad beim BMW-Service checken lassen, mir die Stadt anschauen und dann weiterziehen. Da meine neuen Freunde l\u00e4nger auf ihre Ersatzteile warten mussten, entschied ich mich auch so lange zu bleiben. Der Ort war einfach auch sehr verlockend: ein Supermarkt mit Bier in der N\u00e4he und ein Grill, gleich am Pool. Wir entschieden uns, den Weg nach Namibia zusammen zu machen. Zum ersten Mal in Afrika hatte ich Begleitung unterwegs. Eine v\u00f6llig neue Erfahrung. Ich bin ein freiheitsliebender und unabh\u00e4ngiger Motorradreisender, d.h. ich entscheide gerne selbst, wann ich aufstehe, wie schnell ich fahre, wo ich eine Pipi-Pause und wo ich keine Zigarettenpause mache, wann ich zum Fotografieren stoppe und wo ich \u00fcbernachte. Aber ich freute mich auf die gemeinsame Fahrt, insbesondere mit zwei so sympathischen und positiv verr\u00fcckten Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Dylan und Yasmin auf ihre Ersatzketten warteten, fuhr ich ins Stadtzentrum, um den BMW-Dealer und die Werkstatt zu besuchen. Es waren keine gro\u00dfartigen Reparaturen notwendig. Lediglich plagte mich seit wenigen Tagen eine Sorge: der Motor arbeitete eigenartig, immer wieder ging er an Kreuzungen aus. Meine Vermutung war, dass der Luftfilter stark verschmutzt war, denn seit der letzten Inspektion in Nigeria fuhr ich sehr viel durch Dreck und Staub. Im Grunde h\u00e4tte ich den Filter auch selbst auswaschen, bzw. reinigen k\u00f6nnen, wollte aber auch, dass die Werkstatt mein Motorrad an den Computer anschlie\u00dft, um die Fehler auszulesen. So der Plan, in Lagos lief alles perfekt ab. Ich habe einen genauso guten Service in Luanda erwartet. Was ich  jedoch dann erlebte, hat meine BMW-Welt bis auf die Grundmauern ersch\u00fcttert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fuhr fr\u00f6hlich hin und dachte, dass ich einen sachkundigen Mechaniker treffe, der mit Anerkennung nickt und mit dem ich mich \u00fcber die Motorrad-Reisen in Angola unterhalten konnte. Ein Mechaniker, der sich das Moped anschaut, ein paar Fragen \u00fcber meine bisherige Route stellt, mich in die Werkstatt einl\u00e4dt, das Motorrad an den Rechner anschlie\u00dft und dabei feststellt, dass es keine Fehler gibt. Im besten Fall w\u00fcrde er mir noch erz\u00e4hlen, dass er gerne auch so eine lange Motorradreise machen w\u00fcrde und ich w\u00fcrde ihn dann ermutigen, dies zu tun. So zumindest war meine Vorstellung eines angenehmen Aufenthalts in einer autorisierten BMW-Werkstatt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es lief jedoch entscheidend anders ab. Die erste H\u00fcrde war die Kommunikation. Von zwei Empfangsdamen konnte nur eine Englisch, leider nicht ausreichend. Ich hatte M\u00fche gehabt zu erkl\u00e4ren, was ich will. Nach einer Stunde (inkl. langer Wartezeit) ergab sich, dass sie alles falsch verstanden hatten. Nein, ich wollte nicht \u00d6l wechseln lassen. Ich habe es nicht mal erw\u00e4hnt! Dann wurde ich vertr\u00f6stet: der Mechaniker habe einen Ausw\u00e4rtstermin und kommt erst in anderthalb Stunden zur\u00fcck. Ok, kein Problem \u2013 dachte ich. Ich k\u00f6nnte doch so lange spazieren gehen, und mir die Stadt anschauen. Nach \u00fcber zwei Stunden kam ich zur\u00fcck, um zu erfahren, dass der Mechaniker noch nicht da sei. Auch kein Problem. Ich ging in ein Restaurant, direkt nebenan. Ich bestellte mein Essen und nahm mir Zeit. Da ich noch ein Buch dabei hatte, fing ich an zu lesen. W\u00e4hrend ich a\u00df, fiel mir ein Typ am Nachbartisch auf: ca. 50 Jahre alt, gut gebaut aber mit einer etwas strengen, soldatenhaften Frisur. Er a\u00df seinen Lunch seelenruhig. Unsere Blicke kreuzten sich vielleicht ein Mal. Noch dachte ich mir nichts dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach etwa einer guten Stunde, vielleicht auch l\u00e4nger, zahlte ich meine Rechnung und ging zur\u00fcck zum Dealer. Der Mechaniker sei noch nicht da, werde aber bald eintreffen \u2013 bekam ich zu h\u00f6ren. So setzte ich mich geduldig in den Wartebereich. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter kam endlich der Mechaniker. Wir beide staunten verdutzt. Es war der Typ vom Restaurant, der mit der strengen Frisur, der sich so viel Zeit beim Lunch nahm. Ist ja nicht schlimm, ich fand es eher lustig, dass er so entspannt war. Und endlich war er da! Es war schon Nachmittag und ich hoffte, dass alles ab sofort schnell ablaufen w\u00fcrde. Nach dem Handshake wollte ich dem Mechaniker mein Anliegen direkt erkl\u00e4ren. Fehlanzeige: er war Portugiese und sprach nur Portugiesisch. Na gut, immerhin wurde ich mit der einen Empfangsdame einig und sie notierte sich, dass ich den Luftfilter gepr\u00fcft und den Computerausdruck m\u00f6chte, um zu sehen, ob vielleicht doch ein weiterer Handlungsbedarf besteht. Zwei Stunden und viele Seiten in meinem Buch sp\u00e4ter, kam der Mechaniker und meinte, mein Luftfilter sei f\u00e4llig und ich brauche einen neuen. Ich sagte ok, er m\u00fcsste ja schlie\u00dflich Bescheid wissen. Eine weitere Stunde sp\u00e4ter war alles fertig, mein Motorrad stand frisch gewaschen vor der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich die Rechnung im Anschluss sah, fiel ich fast in Ohnmacht: darauf stand ein Betrag von umgerechnet etwa 500 Euro. Ich schaute der Empfangsdame (die gleichzeitig die Rechnung\u00fcberbringerin war) tief in die Augen: \u00bbWollen Sie mich hier verarschen?\u00ab, ich glaube, meine Stimme hast sich auch leicht erhoben: \u00bbSie k\u00f6nnen diese Rechnung vergessen, ich werde sie sicherlich nicht begleichen!\u00ab Ich war kurz davor, die Fassung zu verlieren. F\u00fcr den Filter und die Arbeitsstunden sollte ich ca. 150 Euro bezahlen. Der Computerausdruck, den man normalerweise \u00fcberall kostenlos in einer BMW-Werkstatt bekommt, sollte jetzt aber 350 Euro kosten? Die Managerin wurde gerufen. Sie kam und fing an, Geschichten zu erz\u00e4hlen, die sie schon wahrscheinlich fr\u00fcher mehrfach erz\u00e4hlt hat. Dass Luanda eine der teuersten St\u00e4dte der Welt sei, dass es sehr schwierig sei, einen Mechaniker zu finden und dass sie allesamt sehr teuer seien. Ich antwortete ihr, dass mich das alles nicht interessiert und dass ich noch nie davon geh\u00f6rt habe, dass man f\u00fcr einen Computerausdruck \u00fcberhaupt Geld zahlen muss. Wenn sie m\u00f6chte, k\u00f6nnte ich das ganze gleich eskalieren lassen \u2013 drohte ich ihr. Obwohl ich mir noch nicht sicher war, wie ich es \u201eeskalieren lassen\u201c w\u00fcrde. Sie sagte dann, sie m\u00fcsse sich mit dem Mechaniker beraten. Nach einigen Minuten kam sie und fing an, nett zu l\u00e4cheln: \u00bbDer Mechaniker ist ausnahmsweise damit einverstanden, den Preis nicht zu berechnen\u00ab, log sie, als ob der Mechaniker der Chef im Laden w\u00e4re. \u00bbWir wollen Sie als zufriedenen Kunden behalten, daher berechnen wir nur die Arbeitszeit und die Ersatzteile\u00ab, erg\u00e4nzte sie zu meiner Erleichterung. \u00bbDas ist gut\u00ab, antwortete ich ohne Enthusiasmus. \u201eMit der Kundenzufriedenheit habt ihr es aber richtig vermasselt\u201c, dachte ich gleichzeitig: \u201eEin Glas Wasser f\u00fcr den Kunden, w\u00e4hrend er auf den Mechaniker stundenlang wartet, h\u00e4tte vielleicht ein paar Sympathiepunkte gebracht.\u201c So zahlte ich die Rechnung mit ernsthaftem Gesicht. Die Managerin besass noch die Frechheit mir zum Abschied zu sagen, dass sie auch in Portugal t\u00e4tig sei, und sollte ich mich dort aufhalten, w\u00e4re sie \u00fcber meinen Besuch sehr erfreut. \u00bbDas mache ich bestimmt\u00ab, antwortete ich und dachte gleichzeitig: \u201eLeck mich am Arsch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich aus der Werkstatt zur\u00fcckkam, erz\u00e4hlte ich meinen Gastgebern die Geschichte. \u00bbWillkommen in Luanda\u00ab, antwortete Andrea. \u00bbWir haben es mit dieser Abzocke \u00fcberall zu tun\u00ab, erg\u00e4nzte sie traurig. \u00bbUnd man kann nichts dagegen tun, wenn man hier lebt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit konnte Dylan auch seine neue Ersatzketten f\u00fcr die zwei BMW 650-er bekommen. Er wechselte sie selbst. Ich h\u00fctete mich davor, ihm den Besuch in einer BMW-Werkstatt in Luanda zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun waren wir startklar, um gemeinsam in Richtung Namibia aufzubrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach nur zwei Tagen in der Demokratischen Republik Kongo war ich schon an der Grenze zu Angola. Eigentlich schade. Ich h\u00e4tte gern ein paar Tage mehr im \u201ezweiten Kongo\u201c verbracht, mir Kinshasa angeschaut, vielleicht ein paar neue Leute kennengelernt. Es ergab sich aber nicht. 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