{"id":518,"date":"2019-11-24T14:27:15","date_gmt":"2019-11-24T14:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=518"},"modified":"2019-12-03T06:58:43","modified_gmt":"2019-12-03T06:58:43","slug":"this-is-lagos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=518","title":{"rendered":"\u201eThis is Lagos\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h5>Es gibt kein \u201eWelcome to Lagos\u201c-Schild vor der Stadt. Die Reisenden begr\u00fc\u00dft ein bedrohliches \u201eThis is Lagos!\u201c.<\/h5>\n\n\n\n<p>Nach den entspannten Reisewochen durch Westafrika bis einschlie\u00dflich Benin, kam ich nach Nigeria. Ich muss ehrlich zugeben, ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten wird. Ich bin heil aus dem Land wieder rausgekommen, aber ich m\u00fcsste echt lange \u00fcberlegen, ob ich Nigeria nochmals auf dieselbe Art und Weise bereisen w\u00fcrde. Es gab nat\u00fcrlich auch sch\u00f6ne Momente und ich traf tolle Menschen, aber insgesamt machte mir dieses Land wahrhaft Angst und es ist nicht so angenehm, st\u00e4ndig auf der Hut bleiben zu m\u00fcssen. Aber vom Anfang an&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anreise an sich war schon ziemlich anstrengend. F\u00fcr eine Distanz von 100km ab der Grenze nach Lagos ben\u00f6tigte ich acht Stunden. Die Stra\u00dfe war in einem elendigen Zustand. Immer wieder Polizeikontrollen, manche gar ziemlich lustig, wenn sich die Beamten mehr f\u00fcr mein Motorrad als f\u00fcr meine Dokumente interessierten. Und dann der Stau des Jahrhunderts \u2013 kurz vor den Toren von Lagos. Statt wie geplant um 17:00 Uhr bei meinem Freund auf der Victoria Island anzukommen, war ich dort erst um 21:30 Uhr. Krzysiek machte sich schon Sorgen, denn \u2013 wie ich sp\u00e4ter erfuhr \u2013 genau dort, wo ich nichts wissend im Stau stand, wurde er schon ausgeraubt. Eine Gruppe von jungen M\u00e4nnern kamen zu seinem Auto als er im Stau stand, schlugen die Scheiben ein und nahmen sich aus dem Fahrzeug alles, was sie fanden. Sp\u00e4ter sah ich selbst auf einem Video, wie so eine Aktion verl\u00e4uft. Jemand filmte einen \u00dcberfall von einer Br\u00fccke aus. Ziemlich erschreckend so etwas zu sehen. Mir blieb solch eine krasse Erfahrung erspart, obwohl ich an einem Tag in Lagos von einer Gruppe sich komisch verhaltender M\u00e4nner gestoppt wurde. Diese wedelten mir vor der Nase mit geklauten (oder pr\u00e4parierten) offiziellen Ausweisen und wollten mir den Schl\u00fcssel aus der Z\u00fcndung herausziehen. H\u00e4tten sie das geschafft, w\u00e4re ich wahrscheinlich ausgeliefert gewesen. Was sie genau wollten, konnte ich mir nur denken: h\u00f6chstwahrscheinlich Geld. Meinem Keyless-System sei Dank, dass sie keinen Schl\u00fcssel in der Z\u00fcndung fanden. Dieser steckte tief in meiner Jackentasche. Auch gelang es ihnen nicht bei meinem Freund Krzysiek, denn wir fuhren zu zweit an jenem Tag. Nach einer kurzen aber heftigen Diskussion, mit der Drohung, Polizei und die Botschaft zu informieren, liessen sie dann von uns ab. Lustigerweise verstanden sie das \u201eD\u201c auf meinem Nummernschild als \u201ediplomatic\u201c und rannten weg. So ein Gl\u00fcck, dass wir auf ein paar Deppen trafen. Aus Erz\u00e4hlungen wei\u00df ich, dass man nicht immer so viel Gl\u00fcck in Lagos hat.. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt ist mir ihren 20 Millionen eine Riesenmetropole und dementsprechend un\u00fcberschaubar. Der Verkehr ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unm\u00f6glich. Man kommt schlecht durch, insbesondere wenn man ein Ausl\u00e4nder aus Europa ist und sich in dem Chaos nicht zurecht findet. Wiederum gibt es eine ruhige, luxuri\u00f6se Oase: das Projekt \u201eEco Atlantic City\u201c, ein Finanzzentrum und eine Planstadt, die auf einem St\u00fcck Land gebaut wird, das dem Ozean abgerungen wurde. Dort soll Wohnraum f\u00fcr ca. 300.000 Menschen entstehen. Von den geplanten mehreren Wolkenkratzern sind erstmal vier entstanden. Dort sollen Appartements Millionenbetr\u00e4ge kosten und mittlerweile seien alle bereits ausverkauft. An diesem Projekt zeigt sich die gro\u00dfe Kluft zwischen arm und reich in Nigeria. Es gibt eine kleine Elite, die meistens mit \u00d6lgesch\u00e4ften reich wurde &#8211; der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung lebt allerdings in Armut. Das Projekt \u201eEco Atlantic\u201c wird auch unter umweltrechtlichen Aspekten stark kritisiert. Es starben bereits Menschen aufgrund von \u00dcberflutungen in der unmittelbaren Umgebung des Projekts. Es wird kritisiert, dass grundlegende Umweltstandards nicht eingehalten wurden. Ein entsprechendes Klimagutachten wurde erst drei Jahre nach Baubeginn erstellt. Kritiker behaupten, dass durch das Projekt K\u00fcstenerosionen an anderen Orten beschleunigt wurden. Die britische Zeitung \u201eThe Guardian\u201c sprach gar von einem Klima-Apartheid: es wird f\u00fcr die Reichen gebaut und die Leidtragenden sind die Armen. <\/p>\n\n\n\n<p>So soll ein afrikanisches \u201eHong-Kong\u201c entstehen. Bisher sind  auf dem 25qkm gro\u00dfen Areal nur wenige H\u00e4user und das Stra\u00dfennetz zu sehen. B\u00f6se Zungen sagen, das Projekt nie fertig wird. Auf jeden Fall ist das zurzeit ein sch\u00f6ner Ort, um eine Drohne fliegen zu lassen und die Stadt von oben zu filmen, solange man sich nicht erwischen l\u00e4sst. Das Areal ist abgesperrt, man wird nur reingelassen, wenn man dort wohnt, oder einen Freund dabei hat, der die Security verwirrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein separates Kapitel verdient das Nachtleben in Lagos. Was ich erlebte, verdanke ich nat\u00fcrlich meinem Freund Krzysiek, der ein sehr bewanderter Nightlife-Nutznie\u00dfer ist. Was ich am allerersten Abend noch lustig fand, war dann an den darauf folgenden Abenden nur erschreckend. Stell Dir eine gro\u00dfe Bar mit sch\u00f6ner Musik und reichlicher Diversit\u00e4t an alkoholischen Getr\u00e4nken jeder Art vor. Ok, nichts besonders oder gar nichts verwerfliches daran. Dann aber, sp\u00e4testens nach einem Bier und ca. 15 Minuten, merkst Du, dass das Publikum gr\u00f6\u00dftenteils aus zwei Gruppen besteht: aus wei\u00dfen M\u00e4nnern, die im Schnitt ca. Mitte 50er sind, und schwarzen Sch\u00f6nheiten, die keine Zeit vergeuden wollen. Ich m\u00f6chte weder die eine oder andere Gruppe bewerten. Ich fand es nur erschreckend, wie leicht man an Sex kommt. Diese M\u00e4dchen erz\u00e4hlen, dass sie als Models oder Stewardessen arbeiten. Bei ihrem Aussehen, kann man solchen Behauptungen auch leicht glauben. Was ihre Motivation ist, l\u00e4sst sich erraten: sie suchen nach einem reichen Boyfriend (wei\u00df=reich in Afrika), und wenn das nicht klappt, dann erhoffen sie sich mindestens Geschenke oder Geld nach so einem n\u00e4chtlichen \u201eAbenteuer\u201c. Solche Bars gibt es weit und breit, die Prostitution scheint in Lagos zu bl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verbrachte insgesamt \u00fcber eine Woche in Lagos und hatte nat\u00fcrlich auch \u201enormale\u201c Erfahrungen und Begegnungen. Ich lernte die hiesige polnische Community kennen, durfte in einem Jugendzentrum Kindern \u00fcber meine Reise erz\u00e4hlen, besuchte eine ber\u00fchmte Ausstellung der afrikanischen modernen Kunst der letzten 50 Jahre, mein Motorrad wurde fachgerecht inspiziert und ich lernte einen neuen Freund kennen: Toyin Adebola, der auf dem Motorrad die entgegengesetzte Richtung befuhr: er schaffte es bis nach Kiruna in Nordschweden! Stellt Euch mal Eure eigene Verwunderung vor, wenn Euch in Nordeuropa ein Afrikaner auf einem Motorrad mit nigerianischen Kennzeichen begegnet!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Lagos ging die Reise in den Osten: nach Kamerun. Bis ich soweit war, durfte ich quer durch das Land fahren. Und diese Fahrt w\u00e4re richtig sch\u00f6n gewesen, wenn es nicht ein paar st\u00f6rende Faktoren gegeben h\u00e4tte: kaputte Stra\u00dfen, st\u00e4ndige Angst an jeder Kreuzung ausgeraubt zu werden, halsbrecherisches Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer, Nagel im Reifen, eine heftige Erk\u00e4ltung, Tiere auf der Fahrbahn, (angebliche) Entf\u00fchrungsgefahren &#8211; und das aller l\u00e4stigste: korrupte Polizisten und Soldaten, die allesamt nach Geschenken oder Geld fragten. Ich entschuldigte mich jedes Mal, kein Geschenk dabei zu haben, denn ich sei ein Jahr lang unterwegs und meine Lagerkapazit\u00e4ten f\u00fcr Geschenke seien sehr eingeschr\u00e4nkt. Die Kontrollen fanden nicht selten alle 1000m statt. Ein anderer Reisender, der drei Wochen lang in Nigeria mit dem Auto unterwegs war, hatte 229 Kontrollen gez\u00e4hlt. Es gibt 23 verschiedene Beh\u00f6rden, die Dich auf der Stra\u00dfe stoppen und kontrollieren (sprich: Geld oder Geschenke verlangen) k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich gestatte mir jetzt mal alle aufzuz\u00e4hlen, es ist der reine Wahnsinn. Abgesehen von der \u201enormalen\u201c Polizei und der Arme, findest du auf den nigerianischen Stra\u00dfen Beamte der folgenden Beh\u00f6rden (Original in Englisch): Drugs, Customs, Immigration, Strike Force Team, MOPOL, Operation Zenda, Police Anti-Crime Division, VIO (Vehicle Inspection Office), Highway Safety, Highway Response, Nigerian Navy, Police Mobile Force, Federal Operations Unit, Nigeria Security and Civil Defense, Operation Wuta-Wuta, IMGH Security, Special Force Police, Anti-Robbery Team, Anti-Kidnapping Team, Federal Road Safety und zum Schluss (bitte nicht lachen) das Anti-Corruption Team. Angesichts der Sicherheitslage im Land scheint die Erfolgsquote der einen oder anderen Beh\u00f6rde sehr bescheiden zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Tagen Fahrt durch das Land erreichte ich endlich die Grenze nach Kamerun in Ekok. Die nigerianischen Beamten waren sehr freundlich und wollten mich gar ausreisen lassen: unter der Bedingung, dass mich die Kameruner reinlassen. So ging ich zu Fu\u00df \u00fcber die Grenzbr\u00fccke und fragte die netten kamerunischen Grenzbeamten, ob ich rein darf. Die Antwort war: nein. Wegen des Konflikts mit den Separatisten werden keine Touristen reingelassen. Ich fluchte laut in meinen Gedanken und fuhr wieder zur\u00fcck. Immerhin winkten die bereits bekannten Beamten am Kontrollposten freundlich zu und wollten mich nicht erneut kontrollieren. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt kein \u201eWelcome to Lagos\u201c-Schild vor der Stadt. 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