{"id":756,"date":"2019-12-11T14:32:30","date_gmt":"2019-12-11T14:32:30","guid":{"rendered":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=756"},"modified":"2020-01-02T09:40:47","modified_gmt":"2020-01-02T09:40:47","slug":"kamerunische-begegnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/?p=756","title":{"rendered":"Kamerunische Begegnungen"},"content":{"rendered":"\n<h5>\u00dcber Kunsth\u00e4ndler, Ambazonier und polnische Priester<\/h5>\n\n\n\n<p>Die Grenz\u00fcberquerung nach Kamerun war geschafft! Die Erleichterung war gro\u00df. Ich musste zwar wieder stundenlang schlechte Stra\u00dfe \u201eerdulden\u201c, aber das st\u00f6rte mich nicht so sehr. Ich war endlich in Kamerun und die Welt sah auf einmal anders aus: nette, freundliche Polizisten, die keine Geschenke verlangten. Ihr Sinn f\u00fcr Entfernungen war zwar nicht sehr ausgepr\u00e4gt: als ich fragte, wie lange die schlechte Stra\u00dfe noch anh\u00e4lt, war die Antwort sofort: 75 km. Am Ende ergab sich, dass es noch 130 km waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nichtsdestotrotz geno\u00df ich den Tag, die Sonne schien, ich war zufrieden. Am sp\u00e4ten Nachmittag kam ich in Foumban an und suchte nach einem Geldautomaten. Dort sprach mich pl\u00f6tzlich ein gut gekleideter Mann auf Deutsch an! Ob ich aus Deutschland bin und wo ich hinfahre. Meine Verbl\u00fcffung war gro\u00df! Dann wurde sie noch gr\u00f6\u00dfer: Desire, so hie\u00df der Fremde, hat einen Bruder in Berlin! Ohne zu \u00fcberlegen, griff Desire zum Handy und rief seinen Bruder \u00fcber Whatsapp an. Wir sprachen eine Weile. Es ergab sich: der Bruder arbeitet in Berlin als Busfahrer. Er spricht sehr gutes Deutsch. Er fragte mich, wann ich nach Berlin kommen werde \u2013 ich scherzte zur\u00fcck, dass ich erst nach Yaound\u00e9 fahren m\u00f6chte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Desire nahm mich dann unter seine Fittiche, brachte mich zu einem netten lokalen Hotel, handelte den Preis f\u00fcr mich runter und lud mich zu sich nach Hause zum Abendessen ein. So bekam ich einen Einblick in das Leben eine kamerunischen Familie, deren H\u00e4lfte der m\u00e4nnlichen Familienmitglieder das Geld im Ausland verdiente.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Areal standen mehrere H\u00e4user eng zusammen. Als ich dort ankam, war es leider schon dunkel und ich konnte nicht alles im Detail sehen. So f\u00fchrte mich mein Gastgeber zwischen den H\u00e4usern herum und wies mich in die Belegung der H\u00e4user ein. Die H\u00e4user sahen von au\u00dfen ger\u00e4umig aber nicht fertiggestellt aus .&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDa dr\u00fcben lebt mein Vater. Das Haus auf der linken Seite geh\u00f6rt zu meinem Cousin, das andere hier zu einem Onkel. Hier ist das Grab meiner Mutter und in diesem Haus lebe ich mit meiner Frau\u00ab \u2013 erkl\u00e4rte Desire, als eine weitere junge Frau ihren Kopf durch einen T\u00fcrspalt raussteckte. \u00bbUnd das ist die Frau von meinem Bruder aus Berlin\u00ab \u2013 erg\u00e4nzte er.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter als wir beim Essen waren, erz\u00e4hlte Desire, dass er \u00f6fters nach Berlin f\u00e4hrt und dort auf einem Flohmarkt afrikanische Kunst verkauft. Er zeigte mir ein paar alte Masken, Bronzefiguren, und andere Erzeugnisse der afrikanischen Volksk\u00fcnstler. Er meinte, manches sei \u00fcber 200 Jahre alt! Ich wusste echt nicht, was ich davon halten sollte. Jahrhunderte alte Kunstobjekte, die man einfach so ins Flugzeug packt und auf einem Flohmarkt in Berlin verscherbelt? Ist das \u00fcberhaupt legal? L\u00e4sst sich das einfach so ins Flugzeug mitnehmen? Wenn ja, w\u00e4ren sie nicht interessant f\u00fcr V\u00f6lkerkundemuseen? Ich nahm mir vor, Desire irgendwann mal in Berlin aufzusuchen und ihn mit meinen Fragen nochmals zu qu\u00e4len. Vielleicht auch was kaufen?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine zweite spannende Begegnung ereignete sich in Yaound\u00e9. Dort traf ich Ali. Er war mein Gastgeber, erneut dank CouchSurfing gefunden. Er wartete auf mich an einem vereinbarten Ort in der Stadt und lud mich zu sich nach Hause ein. Das tat er allerdings etwas z\u00f6gerlich. Er meinte, dass er in sehr bescheidenen Verh\u00e4ltnissen lebt und m\u00f6chte mich vorwarnen. Ich antwortete, dass ich damit kein Problem habe und nicht an Luxus gewohnt sei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun war sein Appartement wirklich sehr klein und bescheiden. Ich m\u00fcsste l\u00fcgen, wenn ich behaupten w\u00fcrde, dass mich das nicht schockte. Wie es aussah \u2013 dazu komme ich noch sp\u00e4ter im Detail.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So trugen wir mein Gep\u00e4ck ins Zimmer und entschieden uns in die Stadt zu gehen, um zu essen und uns zu unterhalten. Wir fanden gleich ein Restaurant direkt auf der anderen Stra\u00dfenseite. Ein Familienbetrieb, wo man \u00fcber den Preis f\u00fcr den Fisch noch verhandeln konnte. Wir bestellten unser Essen und Ali begann seine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Er sprach mit sehr leiser Stimme und was ich erfuhr, schockierte mich wahrlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ali wuchs in Bamenda, der gr\u00f6\u00dften Stadt in der englischsprachigen Region, auf. Er studierte Betriebswirtschaft und versuchte sich auch als Businessmann. Er er\u00f6ffnete ein Restaurant, dass anf\u00e4nglich gut lief aber nach zwei Jahren von einem lokalen Wirtschaftsboss \u00fcbernommen wurde. Er engagierte sich auch ein Jahr lang als freiwilliger Helfer im Norden Kameruns, als eine \u00dcberschwemmung die Region verw\u00fcstete. 2013 kam er in die Hauptstadt Yaound\u00e9, um dort nach Gl\u00fcck im Berufsleben zu suchen. Anfangs lief alles bestens, er hatte eine gut bezahlte Arbeit, bem\u00fchte sich sogar um Einstellung im \u00f6ffentlichen Dienst. Daf\u00fcr h\u00e4tte er eine Aufnahmepr\u00fcfung bestehen m\u00fcssen, die er leider nicht schaffte. Im Allgemeinen scheint der \u00f6ffentliche Dienst in Kamerun (vielleicht in anderen afrikanischen Staaten auch) so eine Art berufliche Garantie zu sein, die einem erm\u00f6glicht, bis Lebensende abgesichert zu sein und mit etwas Gl\u00fcck, reich werden zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam der Aufstand der Ambazonier im Jahr 2016. Seitdem herrscht ein B\u00fcrgerkrieg im Westen und die englischsprachigen Kameruner werden wie B\u00fcrger zweiter Kategorie im restlichen Kamerun behandelt \u2013 so Ali. In Ambazonien selbst herrsche die Willk\u00fcr der kamerunischen Soldaten, die auch davon nicht zur\u00fcckschrecken, auf Zivilisten zu schie\u00dfen. Es kam\u00a0 sogar zu Vorf\u00e4llen, bei denen westliche Touristen zu Schaden kamen. Die kamerunischen Soldaten sollen auf sie geschossen haben und daf\u00fcr die Sezessionisten schuldig erkl\u00e4rt haben. Vor ca. einem Jahr wurde ein 19-j\u00e4hriger Priesteranw\u00e4rter direkt vor seiner Kirche durch Soldaten erschossen \u2013 dar\u00fcber berichtete die Deutsche Welle am 19.10.2018. Und wie sich das abgespielt haben soll, l\u00e4sst erschaudern. Demnach hielt ein Milit\u00e4rfahrzeug vor der Kirche an. Die Menschen fl\u00fcchteten und der junge Priester versteckte sich am Eingang. Er wurde jedoch gefunden. Ein Soldat befahl ihm sich hinzulegen und exekutierte ihn. Es gibt noch weitere solche F\u00e4lle. Das Milit\u00e4r wird beschuldigt, Menschen willk\u00fcrlich festzunehmen, zu foltern und zu t\u00f6ten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ali sieht weder f\u00fcr die anglophonen Kameruner, noch f\u00fcr sich selbst einen Ausweg aus dieser Misere. Am liebsten w\u00fcrde er auswandern: gerne nach Europa, aber nicht unbedingt. Nigeria oder Ghana w\u00e4re f\u00fcr ihn auch eine Option. Ich versuchte ihn \u00fcber die Situation aufzukl\u00e4ren, was ihn in Europa erwarten w\u00fcrde: lebensgef\u00e4hrliche Wege bis dorthin, niedrigste L\u00f6hne (wenn \u00fcberhaupt und dann wahrscheinlich nur als Schwarzarbeiter), schwerste Arbeit, schlechte Wohnbedingungen auf kleinstem Raum, kaum medizinische Versorgung, wenn man sich als Illegaler aufhalten w\u00fcrde und die Gefahr, Opfer von Schlepperbanden zu werden. Ali antwortete n\u00fcchtern: \u00bbEs w\u00e4re ja immer noch besser als in Kamerun zu bleiben. Mit harter Arbeit habe ich kein Problem und du hast gesehen, wie ich wohne.\u00ab&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich habe es gesehen und erlebt. Ali wohnt auf ca. 12qm. Dort befindet sich alles: das Bett, die Garderobe, ein Schreibtisch, seine K\u00fcchenuntensillien, B\u00fccher, Taschen und vieles mehr. Als ich mit meinem Reisegep\u00e4ck hereinkam, bekam ich erstmal einen Schock. Ich stellte meine zwei Aluboxen und die gro\u00dfe Reisetasche gestapelt ab. Das Resultat: im Raum konnte dann nur noch eine Person stehen. Sobald die Zweite herein wollte, musste sich die Person, die schon im Raum befand, auf das Bett setzen. Dass es so eng war, war noch nicht mal so dramatisch. Viel schlimmer fand ich, dass man keine eigene Toilette hat, geschweige denn ein eigenes Badezimmer. Das Appartement ist nur eines von vielen in diesem \u201eWohnkomplex\u201c, das aus ca. drei -auf einer sehr engen Fl\u00e4che- gebauten kleinen H\u00e4usern bestand. Zwischen ihnen gab es maximal einen Meter Abstand und man musste erstmal durch ein Labyrinth, um zum Appartement zu gelangen. Man ging auch an einem Raum mit Vorhang vorbei, dessen Geruchskullisse seine Verwendung verriet. Sp\u00e4ter erfuhr ich, dass dieser Raum, mit einem kleinem Loch in der Mitte, als Toilette und Dusche dient: und zwar f\u00fcr alle, die dort wohnen. Es sind vermutlich sechs bis acht Familien. Schreck lass nach&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Miete f\u00fcr dieses Appartement betr\u00e4gt 25.000 CFA, umgerechnet 38 EUR pro Monat. Es ist aber nicht billig, wenn man nur 115 EUR pro Monat in einem Reiseb\u00fcro verdient. Nur um einen Vergleich zu ziehen: Ali und ich waren im lokalen Restaurant essen. Wohl gemerkt: kein Restaurant f\u00fcr Touristen. Ich lud Ali nat\u00fcrlich ein und bezahlte f\u00fcr uns beide 5.000 CFA (7,60 EUR). Es erscheint mir unm\u00f6glich, dort gleichzeitig zu verdienen und zu leben!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht bei Ali war alles andere als entspannt. Wir teilten uns sein Bett, was f\u00fcr mich kein Problem darstellte &#8211; Ali h\u00e4tte aber gro\u00dfe Chancen gehabt, an einem Schnarchwettbewerb teilzunehmen und eine gute Platzierung zu erzielen. Viel schlimmer fand ich jedoch eine andere Ger\u00e4uschkulisse. In der Dunkelheit konnte ich nicht erkennen, was die n\u00e4chtlichen Ger\u00e4usche verursachte. Es klang aber nach etwas deutlich gr\u00f6\u00dferem als eine Maus. Ich w\u00fcrde Ratten nicht ausschlie\u00dfen, die die K\u00fcchenuntensillien bewanderten. Das metergro\u00dfe Loch in der Decke klaffte mehr als einladend f\u00fcr solche Spazierg\u00e4nge auf. So vergrub ich mich in meinem Schlafsack und schwitze ordentlich \u2013 denn drau\u00dfen waren es um die 30\u00b0.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen \u2013 ich konnte die ersten Sonnenstrahlen kaum erwarten \u2013 standen wir fr\u00fch auf und gingen schnell zu unserem Restaurant vom Vorabend, um zu fr\u00fchst\u00fccken. Dort gab es nat\u00fcrlich auch eine Toilette. Den afrikanischen G\u00f6ttern sei dank!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich wollte ich bei Ali zwei N\u00e4chte \u00fcbernachten. Ich verwarf verst\u00e4ndlicherweise jedoch diesen Plan. In der Zwischenzeit fand ich einen neuen spannenden Ort, wo ich \u00fcbernachten konnte: ein Waisenhaus im S\u00fcden von Yaound\u00e9, unter der Leitung eines polnischen Priesters. Und es sollten dort auch Zimmer f\u00fcr Reisende zur Verf\u00fcgung stehen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ali verbrachte ich noch den ganzen Vormittag. Ich versuchte ihm Mut zu machen, angesichts der Tatsache, dass dieser junge Mann viel Potential hat! Er soll niemals aufgeben und definitiv versuchen, wieder was eigenes auf die Beine zu stellen. Mit der langj\u00e4hrigen Erfahrung aus dem Reiseb\u00fcro, mit seinem BWL-Studium und vor allem mit seiner Zweisprachigkeit: Englisch und Franz\u00f6sisch, k\u00f6nnte er doch selbst versuchen, Reisen in Kamerun f\u00fcr Ausl\u00e4nder zu organisieren. Kamerun hat so viel anzubieten: Regenwald, wundersch\u00f6ne Landschaften, lokale Traditionen. Definitiv einen Versuch wert \u2013 motivierte ich Ali. Ich habe das Gef\u00fchl, dass er gerne zuh\u00f6rte und dass ich ihn motivieren konnte. Wir versprachen uns in Kontakt zu bleiben. Ich bin sehr gespannt, wie sich sein Leben weiter entwickeln wird. Wir umarmten uns herzlich und ich fuhr weiter. Am Ende gestattete er mir noch, seine Geschichte zu beschreiben, dennoch nicht seinen richtigen Namen zu verraten. Diesem Versprechen blieb ich treu.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Waisenhaus war nicht leicht zu finden. Es war ein Ort hinter hohen Mauern, so wie alle anderen H\u00e4user in der Nachbarschaft. Es weder Hinweisschilder noch sonst etwas anderes, was auf die Einrichtung deuten k\u00f6nnte. So fragte ich mich durch und fand das Haus schlie\u00dflich. Das gro\u00dfe Tor \u00f6ffnete mir ein junger Mann und ich wurde durch Marianne begr\u00fc\u00dft, die sich sp\u00e4ter als die Haush\u00e4lterin erwies. Marianne war sehr freundlich und strahlte f\u00f6rmlich als sie erkannte, dass sie mit mir Polnisch sprechen konnte. Sie beherrschte die Sprache zwar nicht sehr gut, sagte aber in einem Atemzug eine Reihe polnischer W\u00f6rter auf, darunter mindestens ein paar bekannte polnische Schimpfw\u00f6rter \u2013 und grinste dabei breit. \u00bbWow\u00ab \u2013 dachte ich \u2013 \u00bbWas f\u00fcr ein cooler Ort!\u00ab \u00bbHier muss ich l\u00e4nger bleiben\u00ab&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus des Priesters pr\u00e4sentierte sich imposant. Eine wundersch\u00f6ne wei\u00dfe, gro\u00dfz\u00fcgig gebaute Villa. Mir wurde darin auch ein Zimmer angeboten, aber ich entschied mich lieber im bescheidenen Nebengeb\u00e4ude ein Zimmer zu nehmen, wo auch die Kinder wohnten. Das Zimmer war auch absolut ausreichend: es war sauber, ich hatte ein sch\u00f6nes Bett und einen Schreibtisch. An der Wand hing ein Kreuz \u2013 \u00bbNaja, das wird mich dann wohl nicht umbringen\u00ab \u2013 scherzte ich in meinen Gedanken \u2013 \u00bbDie paar Tage werde ich den Anblick des Folterger\u00e4ts selbst als Atheist ertragen k\u00f6nnen\u00ab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kam an einem Sonntag und die Kinder waren allesamt da, besch\u00e4ftigt mit dem Waschen der eigener Kleidung. Sie schauten neugierig zu mir auf, l\u00e4chelten dezent und setzten ihre Arbeit fort. Sie waren wahrscheinlich gewohnt, diverse Reisende zu sehen, die dort \u00fcbernachteten. Das Haus ist selbst auf iOverlander verzeichnet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Priester Dariusz war nicht da, sollte aber in der Nacht aus Polen zur\u00fcckkommen. In der Tat: um 2:00 Uhr morgens klopfte jemand an meiner T\u00fcr und ri\u00df mich aus dem Tiefschlaf. Dariusz stand vor meiner T\u00fcr und fragte, ob ich Lust habe, mit ihm ein Bier zu trinken. Ich, noch halbtrunken im Schlaf, bedankte mich f\u00fcr die Einladung und lehnte sie freundlich ab: \u00bbIch w\u00fcrde lieber ins Bett zur\u00fcck, morgen w\u00e4re auch ein guter Tag, um sich auf ein Bier zu treffen.\u00ab &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verbrachte an diesem wundersch\u00f6nen Ort drei N\u00e4chte. Ich f\u00fchlte mich jederzeit wunderbar. Ich wurde von Marianne kulinarisch verw\u00f6hnt und Dariusz war sehr freundlich! Wir hatten nette Gespr\u00e4che \u00fcber das Land, die Politik und seine T\u00e4tigkeit in Kamerun. Er verbrachte dort 26 Jahre seines Lebens. So lange k\u00fcmmert er sich auch schon um die Waisenkinder. Zum Teil betreut er schon Kinder in der zweiten Generation. Schwer zu glauben, aber ja \u2013 es kommt vor, dass ein Kind im Waisenhaus aufw\u00e4chst, wird dann irgendwann selbst Mutter und kann sich um das eigene Kind nicht k\u00fcmmern. So landet dann das Kind bei Dariusz. Es kommt auch vor, dass ein Kind einfach vor dem Tor ausgesetzt wird. Man kennt keinen Namen, kein Geburtsdatum. Das Kind bekommt dann einen polnischen Namen und sein Geburtsdatum wird dann auch \u201ebestimmt\u201c, damit das Kind eine Geburtsurkunde bekommen kann. Es gibt auch dramatische F\u00e4lle: bei Dariusz sind zwei Br\u00fcder gelandet, zwei ca. 6-j\u00e4hrige Jungs, die fr\u00fcher ein Jahr lang angekettet in einer Scheune gelebt hatten! Und zwar bei ihrem Onkel. Es sind wahre Dramen, die sich abspielen. In diesem Kontext macht Dariusz eine exzellente Arbeit. Er rettet die Kinder und bietet ihnen eine gute Zukunft. Einige junge Erwachsene schickt er sogar nach Polen zum studieren, sobald er f\u00fcr sie Stipendien organisiert hat. Daf\u00fcr verdient Dariusz die h\u00f6chste Anerkennung und Respekt!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, der mich nachdenklich machte und etwas kritisch sein lie\u00df. Es ist das Haus, in dem Dariusz wohnt. Ich m\u00f6chte nicht urteilen oder gar jemanden schlecht darstellen. Ich wei\u00df nicht, wie das Haus entstand, wer daf\u00fcr Geld spendete. Ich spreche nur aus der Perspektive eines Beobachters, der nur drei Tage vor Ort verbrachte. Die Villa, wo Dariusz lebt, ist nicht bescheiden. Es ist ein mit modernsten Ger\u00e4ten und M\u00f6bel ausgestattetes Haus. Sehr komfortabel eingerichtet und w\u00fcrdig eines gut verdienenden Managers. Und es erscheint mir nicht in Ordnung so zu leben, wenn du dein Leben einer Wohlt\u00e4tigkeit und Waisenkindern widmest. Ich glaube, es gibt so viele Kinder, die bed\u00fcrftig sind, da sollte das Geld nicht in die Villa eines Mannes investiert werden, der zwar wahrhaftig viel sch\u00f6nes und gutes tut, aber wohl auf den eigenen Komfort in solch \u00fcppigen Ma\u00dfen nicht verzichten kann, im Sinne von \u201eBuild bigger table not higher walls\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Naivit\u00e4t stelle ich mir vor, dass insbesondere ein Priester eine Lebensmission hat, die er nie aus den Augen verlieren sollte. Und ich glaube, dass er sich nicht selbst belohnen sollte. Ich selbst w\u00e4re sicherlich nicht in der Lage, mich so aufzuopfern. Daher m\u00f6chte ich nochmals betonen, dass alles, was ich gerade schrieb, eine rein subjektive Einsch\u00e4tzung basierend auf einer kurzen Beobachtung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der drei Tage f\u00fchlte mich dort mit den Kindern sehr wohl. Sie waren so gut erzogen, brav, h\u00f6flich und ruhig. Ich sah jedoch Traurigkeit in ihren Augen, was mir wahrlich das Herz brach. Ich durfte sie fotografieren und insbesondere empfand ein 5-j\u00e4hriger Junge dies als gute Idee. Er wollte nicht von meiner Seite weichen, so ist er auf der H\u00e4lfte aller Fotos abgebildet. Ich verliebte mich sofort in dieses Kind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dariusz hatte w\u00e4hrend meiner Zeit auch andere G\u00e4ste aus Polen. Ich h\u00e4tte mich gerne mit ihm dar\u00fcber unterhalten, was meine oben geschilderten Zweifel anbetrifft. Vielleicht h\u00e4tte er mir erkl\u00e4rt, dass ich komplett falsch liege, dass dieses Haus f\u00fcr die Kinder gebaut wurde, in dem er in der Villa G\u00e4ste \u00fcbernachten l\u00e4sst und so Gelder sammelt. So ein Gespr\u00e4ch ergab sich leider nicht. Vielleicht bekomme ich eine zweite Chance irgendwann in der Zukunft. Doch ich musste meine Reise fortsetzen und nach Kongo weiterfahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kamerun brachte sch\u00f6ne und eindrucksvolle Begegnungen mit sich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":719,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false}}},"categories":[8,48,4],"tags":[5,49,60,61,59],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/wanderlustfirst.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/92701D88-979D-451A-A758-39F1E534E183.jpeg?fit=2048%2C1365&ssl=1","jetpack_likes_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pbd5ZF-cc","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=756"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":999,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/756\/revisions\/999"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderlustfirst.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}