Route

Die Reise begann am 9. August 2019 in Baden-Baden. Nach Afrika kam ich einen Monat später, als ich am 12. September die Fähre von Algeciras in Spanien nach Tanger in Marokko nahm. Ende Dezember erreichte ich Kapstadt in Südafrika. Die Reise führte durch Westafrika, u.a. Mauretanien, Mali, Ghana, Nigeria, Kamerun, Kongo, Angola und Namibia. Ich erlebte das Atlas-Gebirge in Marokko, fuhr durch Westsahara, kämpfte gegen die Hitze von über 45°C in Mauretanien und Straßenüberflutungen in Elfenbeinküste. Ich besuchte Schulen in Benin, um den Kindern von Reisen und Träumen zu erzählen, übte mich in Geduld bei unzähligen Polizeikontrollen in Nigeria, wurde von der Grenze nach Kamerun aufgrund des Bürgerkriegs abgewiesen und musste mich durch die Berge im Osten Nigerias nach Kamerun durchkämpfen: mit Flußüberquerungen, schmalen und wackligen Holzbrücken und harten Offroad-Bedingungen. Voll beladen, fiel ich mehrfach um. Der weitere Weg nach Kongo führte durch den Regenwald während der Regenzeit in Kamerun. Glücklich, endlich geteerte Straße unter der Rädern zu haben, bekam ich Probleme mit der Benzinversorgung: für 900 km fand ich keine funktionierende Tankstelle in Kongo und musste auf Schmuggelware aus Flaschen zurückgreifen. Ein besonderes Erlebnis war die Überquerung des Kongo-Flusses von Brazzaville nach Kinshasa. Es gibt dort leider weder eine Brücke noch eine Fähre, lediglich Touristen-Boote. So griffen 10 Hafenangestellte nach meinem Motorrad und hoben es auf ein kleines Boot. Die ganze Aktion wiederholte sich dann auf der Seite von Kinshasa: erneut brachten 10 starke Männer das Bike wieder ans Land und stritten anschließend heftig darum, wer mithelfen durfte und Geld verdiente. Während des ganzen Vorgangs habe ich viele graue Haare bekommen: es war eine knappe Angelegenheit. Meine Maschine fiel jedoch weder in den Kongo-Fluß noch wurde sie anderweitig beschädigt. Glück gehabt! Die Reise ging dann weiter durch Angola und Namibia, bis nach Kapstadt. Nach über sechs Wochen Südafrika, Lesotho, Swaziland und Botswana gelangte ich nach Mosambik, wo mich die Hauptstadt Maputo mit Dauerregen und Überschwemmungen begrüßte. Nach ein paar Tagen ging es dann entlang der Küste weiter: nach Beira, Chimoio und Tete. Ich erholte mich anschließend einige Tage am Malawi-See: zuerst am malerischen Cape MacLear und später in der Nkhata Bay. Ende Februar erreichte ich Tansania: in Iringa erfuhr ich von der Geschichte des tansanischen Nationalhelden Chief Mkwawa, der zu seiner Zeit den deutschen Kolonialtruppen eine ordentliche Prügel verpasst hatte, durchquerte das Udzungwa-Gebirge (mit einem Pass von über 2800m) und den Morongoro-Nationalpark. Nach ein paar Tagen in Dar-Es-Salam setzte ich fort und verbrachte ein paar Tage am Mt. Kilimandscharo: zuerst in Moshi, später in Arusha. Leider kam dann die Corona-Krise dazwichen, sodass ich meinen Plan, den Victoria-See zu umrunden und durch Ruanda, Uganda nach Kenia zu fahren, sein lassen musste. Ich entschied mich von Arusha direkt nach Nairobi zu fahren und das am Tag, bevor Kenia die Grenzen dicht machte. Als ich in Nairobi ankam, hoffte ich noch darauf, die Reise weiter fortsetzten zu können: nach Äthiopien, Sudan und Ägypten. Jedoch überschlugen sich dann die Ereignisse stündlich. Es wurde schnell klar, dass die Weiterreise nicht mehr möglich ist. Nun begann die Suche nach möglichen Optionen, wie ich samt Motorrad nach Hause kommen konnte. Das Glück spielte wieder mit: ich ergatterte einen der letzten Plätze in einer Lufthansa-Maschine und flog direkt nach Frankfurt, das Moped schön verstaut im Bauch des Fliegers.

Ich war 228 Tage unterwegs, fuhr 35.678km durch 30 (davon 22 afrikanische) Länder. Trotz des unerwarteten Abbruchs brachte mir die Reise außergewöhnliche Abenteuer, wertvolle Freundschaften und interessante Begegnungen. Es war eine Erfahrung fürs Leben, die all die Mühe und Aufwand mehr als wert war.

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